
Das Gerundium gehört zu den Verbformen, die vielen Schülerinnen und Schülern zunächst Schwierigkeiten bereiten. Der Grund dafür ist einfach: Im Deutschen gibt es keine direkte Entsprechung.
Dabei ist die Grundidee des Gerundiums gar nicht kompliziert.
Das Gerundium ist ein substantivierter Infinitiv. Man kann es sich als eine Art „Verb als Nomen“ vorstellen.
Im Deutschen kennen wir ähnliche Formen:
das Lernen
das Lesen
das Schreiben
das Singen
Auch im Lateinischen kann eine Tätigkeit selbst zum Gegenstand des Satzes werden.
Das Gerundium begegnet dir:
in Lehrbuchtexten
in Originaltexten
bei Caesar und Cicero
häufig zusammen mit dem Gerundivum
Vor allem die Unterscheidung zwischen Gerundium und Gerundivum gehört zu den klassischen Themen in Klassenarbeiten.
Das Gerundium wird aus dem Präsensstamm eines Verbs gebildet.
Beispiel:
laudare – loben
Daraus entstehen:
Kasus | Gerundium |
|---|---|
Genitiv | laudandi |
Dativ | laudando |
Akkusativ | ad laudandum |
Ablativ | laudando |
Eine Nominativform gibt es nicht.
Der Infinitiv übernimmt diese Funktion.
Ein wichtiger Unterschied zu normalen Substantiven:
Das Gerundium besitzt:
keinen Plural
keinen Nominativ
Es erscheint nur in den übrigen Kasusformen.
Das Gerundium bezeichnet immer eine Tätigkeit.
Beispiel:
ars scribendi
wörtlich:
die Kunst des Schreibens
tempus legendi
die Zeit des Lesens
studium discendi
das Bemühen um das Lernen
Der Genitiv ist besonders häufig.
Beispiel:
ars legendi
Die Kunst des Lesens
cupiditas vincendi
Der Wunsch zu siegen
Merke:
Der Genitiv beantwortet oft die Frage:
„Wessen?“
Der Dativ kommt deutlich seltener vor.
Beispiel:
idoneus discendo
geeignet zum Lernen
Hier drückt das Gerundium häufig einen Zweck aus.
Meist erscheint der Akkusativ mit der Präposition ad.
Beispiel:
ad discendum
zum Lernen
ad pugnandum
zum Kämpfen
Die Bedeutung lautet häufig:
zum ...
für das ...
Der Ablativ kommt sehr häufig vor.
Beispiel:
discendo
durch Lernen
scribendo
durch Schreiben
Hier wird oft ein Mittel oder eine Art und Weise beschrieben.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten.
ars scribendi
Die Kunst des Schreibens
discendo sapientes fimus.
Durch Lernen werden wir klug.
Auch möglich:
Indem wir lernen, werden wir klug.
ad pugnandum
zum Kämpfen
Viele Schülerinnen und Schüler verwechseln diese beiden Formen.
Deshalb solltest du den Unterschied genau kennen.
Das Gerundivum erkläre ich hier...
Das Gerundium besitzt kein Bezugswort.
Beispiel:
ars scribendi
Die Kunst des Schreibens
Das Gerundivum besitzt ein Bezugswort.
Beispiel:
ars epistularum scribendarum
Die Kunst des Briefeschreibens
Hier gehört das Gerundivum zu:
epistularum
Briefe
Hier geht es zur ausführlichen Erklärung des Gerundivums
Achte auf typische Endungen:
-ndi
-ndo
-ndum
Beispiele:
legendi
discendi
scribendo
pugnandum
Diese Endungen sind oft ein erster Hinweis.
Suche Formen mit:
-ndi
-ndo
-ndum
Prüfe, ob ein Bezugswort vorhanden ist.
Fehlt ein Bezugswort?
Dann liegt meist ein Gerundium vor.
Bestimme den Kasus.
Wähle eine passende deutsche Übersetzung.
ars scribendi
Lösung:
Die Kunst des Schreibens
cupiditas vincendi
Lösung:
Der Wunsch zu siegen
ad pugnandum
Lösung:
Zum Kämpfen
discendo discimus
Lösung:
Durch Lernen lernen wir.
tempus legendi
Lösung:
Die Zeit des Lesens
Gerundium und Gerundivum verwechseln.
Nach einem Bezugswort suchen, obwohl keines vorhanden ist.
Den Kasus nicht bestimmen.
Zu wörtlich übersetzen.
Die Funktion des Gerundiums nicht erkennen.
Das Gerundium ist ein substantivierter Infinitiv. Es bezeichnet eine Tätigkeit und besitzt kein Bezugswort.
Wenn du eine Form auf -ndi, -ndo oder -ndum findest und kein passendes Bezugswort vorhanden ist, handelt es sich häufig um ein Gerundium.
Eine Verbform, die wie ein Substantiv verwendet wird.
Oft an den Endungen -ndi, -ndo oder -ndum.
Nein.
Das Gerundium besitzt kein Bezugswort, das Gerundivum dagegen schon.
Häufig mit „das ...-en“, einem Infinitiv oder einem Nebensatz.
Weil es häufig in lateinischen Texten vorkommt und eng mit dem Gerundivum zusammenhängt.