LATEINSCHULE

Der AcI - einfach erklärt

Regeln, Beispiele und Übungen

Was ist der AcI?

Der AcI gehört zu den wichtigsten grammatischen Konstruktionen im Lateinunterricht. Gleichzeitig sorgt er bei vielen Schülerinnen und Schülern für Verwirrung. Dabei ist das Grundprinzip eigentlich überraschend einfach.

Die Abkürzung AcI steht für:

Accusativus cum Infinitivo

Das bedeutet übersetzt:

Akkusativ mit Infinitiv

Der AcI wird im Lateinischen häufig verwendet, um indirekte Aussagen auszudrücken. Während wir im Deutschen oft einen Nebensatz mit „dass“ verwenden, greifen die Römer stattdessen auf den AcI zurück.

Vergleichen wir zwei deutsche Sätze:

  • Ich weiß, dass Marcus kommt.

  • Ich höre, dass die Soldaten kämpfen.

Im Lateinischen wird das Wort „dass“ meist nicht verwendet. Stattdessen steht die Aussage in Form eines AcI.


Wie erkennt man einen AcI?

Ein AcI besteht immer aus zwei wesentlichen Bestandteilen:

  1. einem Akkusativ

  2. einem Infinitiv

Beispiel:

Marcus venire videtur.

Etwas deutlicher:

Scio Marcum venire.

Wörtlich übersetzt:

„Ich weiß Marcus kommen.“

Natürlich klingt das im Deutschen merkwürdig. Deshalb übersetzen wir:

„Ich weiß, dass Marcus kommt.“

Hier ist:

  • Marcum = Akkusativ

  • venire = Infinitiv

Zusammen bilden sie den AcI.


Die Signalverben des AcI

Besonders häufig steht ein AcI nach bestimmten Verben.

Diese Verben solltest du kennen:

Verben der Wahrnehmung

  • videre – sehen

  • audire – hören

  • sentire – wahrnehmen

Beispiel:

Audio pueros cantare.

Ich höre, dass die Jungen singen.


Verben des Sagens

  • dicere – sagen

  • narrare – erzählen

  • nuntiare – melden

Beispiel:

Magister dicit discipulos laborare.

Der Lehrer sagt, dass die Schüler arbeiten.


Verben des Denkens

  • putare – glauben

  • existimare – meinen

  • credere – glauben

  • scire – wissen

Beispiel:

Puto Marcum advenire.

Ich glaube, dass Marcus ankommt.


Die Grundregel zur Übersetzung

Der wichtigste Tipp lautet:

Wenn du einen AcI erkennst, übersetze ihn zunächst mit „dass“.

Beispiel:

Scio puellam ridere.

Schritt 1:

Ich weiß, dass ...

Schritt 2:

puellam = das Mädchen

Schritt 3:

ridere = lacht

Übersetzung:

Ich weiß, dass das Mädchen lacht.

In den meisten Schulaufgaben funktioniert diese Methode zuverlässig.


Wer macht eigentlich die Handlung?

Eine häufige Fehlerquelle besteht darin, den Akkusativ falsch zu deuten.

Im AcI ist der Akkusativ nicht Objekt des Satzes.

Er ist vielmehr das Subjekt der Handlung im Infinitiv.

Beispiel:

Video Marcum currere.

Viele Schüler übersetzen zunächst:

„Ich sehe Marcus.“

Das reicht aber nicht.

Marcus führt die Handlung des Laufens aus.

Richtig:

Ich sehe, dass Marcus läuft.

oder

Ich sehe Marcus laufen.


Die Zeitverhältnisse im AcI

Später im Lateinunterricht spielen die Zeitverhältnisse eine wichtige Rolle.

Dabei gilt:

Infinitiv Präsens

Gleichzeitigkeit

Scio Marcum venire.

Ich weiß, dass Marcus kommt.


Infinitiv Perfekt

Vorzeitigkeit

Scio Marcum venisse.

Ich weiß, dass Marcus gekommen ist.


Infinitiv Futur

Nachzeitigkeit

Scio Marcum venturum esse.

Ich weiß, dass Marcus kommen wird.


Schritt-für-Schritt-Methode zum Lösen eines AcI

Viele Schüler profitieren von einem festen Schema.

Schritt 1

Suche das AcI-Auslösesignal.

Zum Beispiel:

  • sagen

  • hören

  • sehen

  • glauben

  • wissen

Schritt 2

Suche den Akkusativ.

Wer steht im Akkusativ?

Schritt 3

Suche den Infinitiv.

Welche Handlung wird beschrieben?

Schritt 4

Verbinde beides mit „dass“.

Jetzt entsteht meist automatisch die richtige Übersetzung.


Beispiele zum Üben

Beispiel 1

Audio puellam cantare.

Lösung:

Ich höre, dass das Mädchen singt.


Beispiel 2

Puto servum laborare.

Lösung:

Ich glaube, dass der Sklave arbeitet.


Beispiel 3

Scimus Romanos urbem defendere.

Lösung:

Wir wissen, dass die Römer die Stadt verteidigen.


Beispiel 4

Dicit milites pugnare.

Lösung:

Er sagt, dass die Soldaten kämpfen.


Die häufigsten Fehler beim AcI

Fehler 1

Den Akkusativ als Objekt übersetzen.

Fehler 2

Den Infinitiv übersehen.

Fehler 3

Den AcI gar nicht erkennen.

Fehler 4

Die Zeitverhältnisse falsch bestimmen.

Fehler 5

Wort für Wort übersetzen statt Satzstrukturen zu erkennen.


Warum der AcI so wichtig ist

Der AcI gehört zu den häufigsten Konstruktionen im Lateinischen. Er begegnet dir in nahezu jedem Lehrbuch und in fast jedem Originaltext.

Wer den AcI sicher beherrscht, verbessert seine Übersetzungen oft schlagartig. Viele vermeintlich schwierige Texte werden plötzlich deutlich verständlicher.

Deshalb lohnt es sich, diese Konstruktion gründlich zu üben und immer wieder bewusst zu erkennen.


Häufige Fragen zum AcI

Wofür steht AcI?

AcI bedeutet Accusativus cum Infinitivo, also Akkusativ mit Infinitiv.

Wann wird der AcI verwendet?

Vor allem nach Verben des Sagens, Denkens und Wahrnehmens.

Wie übersetzt man einen AcI?

Meist mit einem deutschen „dass“-Satz.

Woran erkenne ich einen AcI?

An der Kombination aus Akkusativ und Infinitiv.

Ist der AcI schwer?

Nein. Sobald man das Grundprinzip verstanden hat, gehört er zu den leichteren Satzkonstruktionen im Lateinischen.