
Der AcI gehört zu den wichtigsten grammatischen Konstruktionen im Lateinunterricht. Gleichzeitig sorgt er bei vielen Schülerinnen und Schülern für Verwirrung. Dabei ist das Grundprinzip eigentlich überraschend einfach.
Die Abkürzung AcI steht für:
Accusativus cum Infinitivo
Das bedeutet übersetzt:
Akkusativ mit Infinitiv
Der AcI wird im Lateinischen häufig verwendet, um indirekte Aussagen auszudrücken. Während wir im Deutschen oft einen Nebensatz mit „dass“ verwenden, greifen die Römer stattdessen auf den AcI zurück.
Vergleichen wir zwei deutsche Sätze:
Ich weiß, dass Marcus kommt.
Ich höre, dass die Soldaten kämpfen.
Im Lateinischen wird das Wort „dass“ meist nicht verwendet. Stattdessen steht die Aussage in Form eines AcI.
Ein AcI besteht immer aus zwei wesentlichen Bestandteilen:
einem Akkusativ
einem Infinitiv
Beispiel:
Marcus venire videtur.
Etwas deutlicher:
Scio Marcum venire.
Wörtlich übersetzt:
„Ich weiß Marcus kommen.“
Natürlich klingt das im Deutschen merkwürdig. Deshalb übersetzen wir:
„Ich weiß, dass Marcus kommt.“
Hier ist:
Marcum = Akkusativ
venire = Infinitiv
Zusammen bilden sie den AcI.
Besonders häufig steht ein AcI nach bestimmten Verben.
Diese Verben solltest du kennen:
videre – sehen
audire – hören
sentire – wahrnehmen
Beispiel:
Audio pueros cantare.
Ich höre, dass die Jungen singen.
dicere – sagen
narrare – erzählen
nuntiare – melden
Beispiel:
Magister dicit discipulos laborare.
Der Lehrer sagt, dass die Schüler arbeiten.
putare – glauben
existimare – meinen
credere – glauben
scire – wissen
Beispiel:
Puto Marcum advenire.
Ich glaube, dass Marcus ankommt.
Der wichtigste Tipp lautet:
Wenn du einen AcI erkennst, übersetze ihn zunächst mit „dass“.
Beispiel:
Scio puellam ridere.
Schritt 1:
Ich weiß, dass ...
Schritt 2:
puellam = das Mädchen
Schritt 3:
ridere = lacht
Übersetzung:
Ich weiß, dass das Mädchen lacht.
In den meisten Schulaufgaben funktioniert diese Methode zuverlässig.
Eine häufige Fehlerquelle besteht darin, den Akkusativ falsch zu deuten.
Im AcI ist der Akkusativ nicht Objekt des Satzes.
Er ist vielmehr das Subjekt der Handlung im Infinitiv.
Beispiel:
Video Marcum currere.
Viele Schüler übersetzen zunächst:
„Ich sehe Marcus.“
Das reicht aber nicht.
Marcus führt die Handlung des Laufens aus.
Richtig:
Ich sehe, dass Marcus läuft.
oder
Ich sehe Marcus laufen.
Später im Lateinunterricht spielen die Zeitverhältnisse eine wichtige Rolle.
Dabei gilt:
Gleichzeitigkeit
Scio Marcum venire.
Ich weiß, dass Marcus kommt.
Vorzeitigkeit
Scio Marcum venisse.
Ich weiß, dass Marcus gekommen ist.
Nachzeitigkeit
Scio Marcum venturum esse.
Ich weiß, dass Marcus kommen wird.
Viele Schüler profitieren von einem festen Schema.
Suche das AcI-Auslösesignal.
Zum Beispiel:
sagen
hören
sehen
glauben
wissen
Suche den Akkusativ.
Wer steht im Akkusativ?
Suche den Infinitiv.
Welche Handlung wird beschrieben?
Verbinde beides mit „dass“.
Jetzt entsteht meist automatisch die richtige Übersetzung.
Audio puellam cantare.
Lösung:
Ich höre, dass das Mädchen singt.
Puto servum laborare.
Lösung:
Ich glaube, dass der Sklave arbeitet.
Scimus Romanos urbem defendere.
Lösung:
Wir wissen, dass die Römer die Stadt verteidigen.
Dicit milites pugnare.
Lösung:
Er sagt, dass die Soldaten kämpfen.
Den Akkusativ als Objekt übersetzen.
Den Infinitiv übersehen.
Den AcI gar nicht erkennen.
Die Zeitverhältnisse falsch bestimmen.
Wort für Wort übersetzen statt Satzstrukturen zu erkennen.
Der AcI gehört zu den häufigsten Konstruktionen im Lateinischen. Er begegnet dir in nahezu jedem Lehrbuch und in fast jedem Originaltext.
Wer den AcI sicher beherrscht, verbessert seine Übersetzungen oft schlagartig. Viele vermeintlich schwierige Texte werden plötzlich deutlich verständlicher.
Deshalb lohnt es sich, diese Konstruktion gründlich zu üben und immer wieder bewusst zu erkennen.
AcI bedeutet Accusativus cum Infinitivo, also Akkusativ mit Infinitiv.
Vor allem nach Verben des Sagens, Denkens und Wahrnehmens.
Meist mit einem deutschen „dass“-Satz.
An der Kombination aus Akkusativ und Infinitiv.
Nein. Sobald man das Grundprinzip verstanden hat, gehört er zu den leichteren Satzkonstruktionen im Lateinischen.