Der Genitiv ist der 2. Fall der lateinischen Sprache. Er gehört zu den wichtigsten Kasus und begegnet dir sowohl in einfachen als auch in anspruchsvollen Texten.
Seine wichtigste Aufgabe besteht darin, Zugehörigkeit oder Beziehungen zwischen Personen und Dingen auszudrücken.
Deshalb wird der Genitiv oft als Wes-Fall bezeichnet.
Der Genitiv beantwortet die Frage:
Wessen?
Beispiel:
Liber pueri in mensa est.
Frage:
Wessen Buch liegt auf dem Tisch?
Antwort:
Des Jungen.
Genitiv:
pueri
Übersetzung:
Das Buch des Jungen liegt auf dem Tisch.
Die häufigste Funktion des Genitivs ist das Genitivattribut.
Hier beschreibt der Genitiv ein anderes Wort näher.
Beispiel:
Villa amici magna est.
Das Haus des Freundes ist groß.
Der Genitiv erklärt, wem das Haus gehört.
Filia agricolae ridet.
Die Tochter des Bauern lacht.
Gloria Romae magna erat.
Der Ruhm Roms war groß.
Consilium Caesaris bonum erat.
Der Plan Caesars war gut.
Der Genitiv besitzt je nach Deklination unterschiedliche Endungen.
Kasus | Singular | Plural |
|---|---|---|
Genitiv | puellae | puellarum |
Kasus | Singular | Plural |
|---|---|---|
Genitiv | servi | servorum |
Kasus | Singular | Plural |
|---|---|---|
Genitiv | regis | regum |
Der Genitiv Singular ist besonders wichtig, weil er häufig im Wörterbuch angegeben wird.
Lateinische Substantive werden oft mit zwei Formen angegeben:
Beispiel:
rex, regis
König
Die zweite Form ist der Genitiv Singular.
Sie verrät den Wortstamm:
rex
regis
→ Stamm: reg-
Dadurch kannst du viele weitere Formen leichter erkennen.
Die häufigste Bedeutung lautet:
Besitz oder Zugehörigkeit.
Beispiel:
Domus amici
Das Haus des Freundes
Equus militis
Das Pferd des Soldaten
Gladius servi
Das Schwert des Sklaven
Der Genitiv kann auch ein Ganzes beschreiben, zu dem etwas gehört.
Beispiel:
Pars urbis
Ein Teil der Stadt
Multitudo civium
Die Menge der Bürger
Nemo discipulorum
Keiner der Schüler
Besonders häufig erscheint der Genitiv nach Mengenangaben.
Beispiel:
Multa exempla virtutis
Viele Beispiele der Tapferkeit
Magna copia aquae
Eine große Menge Wasser
Satis temporis
Genug Zeit
Einige Verben können einen Genitiv verlangen.
Beispiel:
Memini amici.
Ich erinnere mich an den Freund.
meminisse (sich erinnern)
oblivisci (vergessen)
misereri (Mitleid haben)
Diese Konstruktionen begegnen vor allem in anspruchsvolleren Texten.
Der Genitiv kann Eigenschaften beschreiben.
Beispiel:
Vir magnae sapientiae
Ein Mann großer Weisheit
Femina magnae virtutis
Eine Frau großer Tapferkeit
Puer boni ingenii
Ein Junge guter Begabung
Suche das Bezugswort.
Frage:
Wessen?
Suche das passende Wort im Genitiv.
Prüfe die Beziehung zwischen beiden Wörtern.
Formuliere eine sinnvolle deutsche Übersetzung.
Liber discipuli
Das Buch des Schülers
Genitiv:
discipuli
Gloria populi Romani
Der Ruhm des römischen Volkes
Genitiv:
populi Romani
Pars exercitus
Ein Teil des Heeres
Genitiv:
exercitus
Memini patris.
Ich erinnere mich an meinen Vater.
Genitiv:
patris
Genitiv und Dativ verwechseln.
Den Genitiv automatisch mit „von“ übersetzen.
Die Funktion des Genitivs nicht bestimmen.
Den Genitiv Singular im Wörterbuch ignorieren.
Mengenangaben übersehen.
Beispiel:
Magister filio librum amici dat.
Nominativ:
magister
Der Lehrer
Dativ:
filio
Dem Sohn
Akkusativ:
librum
Das Buch
Genitiv:
amici
Des Freundes
So zeigt jeder Kasus eine andere Funktion im Satz.
Der Genitiv begegnet dir nicht nur beim Übersetzen, sondern auch beim Lernen von Vokabeln.
Wer den Genitiv sicher erkennt, versteht:
Besitzverhältnisse
Wortstämme
Beziehungen zwischen Wörtern
deutlich leichter.
Der Genitiv beantwortet meist die Frage „Wessen?“ und beschreibt häufig Besitz, Zugehörigkeit oder Beziehungen zwischen Personen und Dingen.
Der Genitiv ist der 2. Fall und beschreibt häufig Zugehörigkeit oder Besitz.
„Wessen?“
Weil er den Wortstamm eines Substantivs verrät.
Oft mit „des“, „der“ oder einer entsprechenden Besitzangabe.
Er beschreibt Besitz, Zugehörigkeit oder Eigenschaften.
Weil er sowohl für die Übersetzung als auch für das Erkennen von Wortstämmen entscheidend ist.