Der Vokativ ist ein besonderer Kasus der lateinischen Sprache. Anders als Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ oder Ablativ beschreibt er keine Satzfunktion wie Subjekt oder Objekt.
Der Vokativ dient ausschließlich dazu, eine Person oder Sache direkt anzusprechen.
Deshalb wird er oft als Anredefall bezeichnet.
Der Vokativ beantwortet eigentlich keine klassische Kasusfrage.
Stattdessen signalisiert er:
Wer wird angesprochen?
Beispiel:
Marce, veni!
Marcus, komm!
Hier wird Marcus direkt angesprochen.
Deshalb steht:
Marce
im Vokativ.
Im Deutschen erkennen wir Anreden meist durch Satzzeichen oder den Zusammenhang.
Beispiel:
Anna, komm bitte her!
Freunde, hört mir zu!
Herr Lehrer, ich habe eine Frage.
Im Lateinischen wird dafür häufig der Vokativ verwendet.
In vielen Fällen sieht der Vokativ genauso aus wie der Nominativ.
Beispiel:
Nominativ | Vokativ |
|---|---|
puella | puella |
rex | rex |
mater | mater |
Deshalb fällt der Vokativ oft gar nicht sofort auf.
Besonders bekannt ist die Ausnahme bei männlichen Wörtern der o-Deklination.
Nominativ | Vokativ |
|---|---|
servus | serve |
dominus | domine |
amicus | amice |
Serve, veni!
Sklave, komm!
Domine, audi me!
Herr, höre mich!
Amice, quid agis?
Freund, wie geht es dir?
Hier unterscheidet sich der Vokativ deutlich vom Nominativ.
Eine weitere wichtige Ausnahme betrifft Wörter auf -ius.
Beispiel:
Nominativ | Vokativ |
|---|---|
filius | fili |
Julius | Juli |
Fili, veni!
Sohn, komm!
Iuli, audi!
Julius, hör zu!
Diese Formen solltest du besonders gut kennen.
Der Vokativ kann an verschiedenen Stellen stehen.
Marce, veni!
Marcus, komm!
Quid agis, Marce?
Wie geht es dir, Marcus?
Audi me, amice!
Höre mir zu, Freund!
Die Position spielt keine Rolle für die Funktion.
Achte auf folgende Hinweise:
Wird jemand direkt angesprochen?
Der Vokativ erscheint häufig zusammen mit Imperativen.
Beispiel:
Serve, veni!
Im Deutschen wird die Anrede meist durch Kommas gekennzeichnet.
Vor allem:
serve
domine
amice
fili
sind typische Vokativformen.
Marce, veni!
Vokativ:
Marce
Übersetzung:
Marcus, komm!
Amice, quid facis?
Vokativ:
amice
Übersetzung:
Freund, was machst du?
Fili, audi matrem!
Vokativ:
fili
Übersetzung:
Sohn, höre auf deine Mutter!
Domine, auxilium peto.
Vokativ:
domine
Übersetzung:
Herr, ich bitte um Hilfe.
Besonders häufig begegnet der Vokativ in:
Reden
Dialogen
Briefen
Theaterstücken
Redner wenden sich direkt an ihr Publikum oder an einzelne Personen.
Ein berühmtes Beispiel stammt von Cicero:
Quo usque tandem, Catilina...?
Wie lange noch, Catilina...?
Hier steht:
Catilina
im Vokativ.
Vokativ und Nominativ verwechseln.
Die Sonderformen der o-Deklination vergessen.
Die -ius-Formen falsch bilden.
Direkte Anreden übersehen.
Den Vokativ als Subjekt übersetzen.
Der Vokativ kommt deutlich seltener vor als die anderen Kasus.
Trotzdem solltest du ihn kennen, weil:
er regelmäßig in Dialogen erscheint
er in Originaltexten vorkommt
seine Sonderformen häufig abgefragt werden
Außerdem gehört er zum vollständigen Verständnis der lateinischen Kasuslehre.
Der Vokativ ist der Anredefall. Er wird verwendet, wenn eine Person oder Sache direkt angesprochen wird.
Der Vokativ ist der Anredefall der lateinischen Sprache.
Er dient der direkten Ansprache einer Person oder Sache.
An der direkten Anrede und an typischen Endungen wie serve oder amice.
Männliche Wörter der o-Deklination bilden oft besondere Vokativformen.
Weil er in Dialogen, Reden und literarischen Texten regelmäßig vorkommt.
Weniger häufig als andere Kasus, aber regelmäßig genug, um ihn sicher beherrschen zu sollten.