Der Potentialis ist eine Hauptsatzfunktion des Konjunktivs.
Mit ihm drückt der Sprecher aus, dass etwas möglich, denkbar oder wahrscheinlich ist.
Der Potentialis beschreibt also keine sichere Tatsache, sondern eine Möglichkeit.
Während der Indikativ eine Tatsache beschreibt, zeigt der Potentialis:
Möglichkeit
Vermutung
Wahrscheinlichkeit
vorsichtige Behauptung
Hoc credas.
Das könntest du glauben.
Der Sprecher sagt nicht:
„Das glaubst du."
Sondern:
„Das könntest du glauben."
Am häufigsten:
Konjunktiv Präsens
Konjunktiv Perfekt
Diese Form beschreibt eine Möglichkeit in der Gegenwart oder Zukunft.
Hoc dicas.
Das könnte man sagen.
Quis hoc credat?
Wer würde das glauben?
Aliquis dubitet.
Jemand könnte zweifeln.
Der Konjunktiv Perfekt beschreibt häufig eine Vermutung über die Vergangenheit.
Hoc dixeris.
Das könnte man gesagt haben.
Credideris eum venisse.
Du könntest glauben, dass er gekommen ist.
Quis hoc fecerit?
Wer könnte das getan haben?
Bestimmte Wörter treten besonders häufig zusammen mit dem Potentialis auf.
Dazu gehören:
fortasse (vielleicht)
forsitan (vielleicht)
forte (vielleicht, möglicherweise)
fors (vielleicht)
Forsitan veniat.
Vielleicht kommt er.
Fortasse hoc credas.
Vielleicht glaubst du das.
Forte quis dubitet.
Vielleicht zweifelt jemand.
Diese Wörter sind wichtige Hinweise, aber nicht zwingend erforderlich.
Der Potentialis wird häufig übersetzt mit:
könnte
würde wohl
dürfte
vielleicht
vermutlich
Hoc dicas.
Das könnte man sagen.
Quis hoc credat?
Wer würde das glauben?
Aliquis dubitet.
Jemand könnte zweifeln.
Je nach Zusammenhang sind mehrere Übersetzungen möglich.
Vergleiche:
Hoc credo.
Das glaube ich.
Hoc credas.
Das könntest du glauben.
Der Indikativ beschreibt eine Tatsache.
Der Potentialis beschreibt eine Möglichkeit.
Das wird häufig verwechselt.
Möglichkeit
Hoc credas.
Das könntest du glauben.
Die Handlung ist möglich.
Nicht verwirklichte Handlung
Hoc crederes, si adesses.
Das würdest du glauben, wenn du da wärst.
Die Voraussetzung ist nicht erfüllt.
Potentialis = möglich
Irrealis = nicht wirklich
Besonders häufig erscheint der Potentialis in rhetorischen Fragen.
Quis hoc neget?
Wer könnte das bestreiten?
Quis hoc credat?
Wer würde das glauben?
Quis dubitet?
Wer könnte daran zweifeln?
Solche Wendungen kommen regelmäßig in lateinischen Originaltexten vor.
Forsitan veniat.
Verb:
veniat
Modus:
Konjunktiv
Zeit:
Präsens
Funktion:
Potentialis
Übersetzung:
Vielleicht kommt er.
Quis hoc credat?
Verb:
credat
Modus:
Konjunktiv
Zeit:
Präsens
Funktion:
Potentialis
Übersetzung:
Wer würde das glauben?
Suche eine Konjunktivform.
Prüfe, ob ein Hauptsatz vorliegt.
Achte auf Signalwörter wie:
fortasse
forsitan
forte
Frage dich:
Wird eine Möglichkeit ausgedrückt?
Übersetze mit:
könnte
würde wohl
vielleicht
Bestimme:
Quis hoc credat?
Verb erkennen → credat
Modus bestimmen → Konjunktiv
Satzart bestimmen → Hauptsatz
Funktion bestimmen → Potentialis
Übersetzung:
Wer würde das glauben?
Potentialis und Irrealis verwechseln.
Den Konjunktiv als Indikativ übersetzen.
Signalwörter übersehen.
Rhetorische Fragen falsch verstehen.
Zu wörtlich übersetzen.
Merke dir diesen Satz:
Quis hoc credat?
Wer würde das glauben?
Er gehört zu den bekanntesten Beispielen für den Potentialis und zeigt die Funktion besonders deutlich.
Der Potentialis gehört zu den wichtigsten Hauptsatzfunktionen des lateinischen Konjunktivs.
Er begegnet regelmäßig in Reden, philosophischen Texten und historischen Werken.
Wer den Potentialis sicher erkennt, kann viele Konjunktivformen deutlich präziser übersetzen.
Der Potentialis drückt eine Möglichkeit, Vermutung oder Wahrscheinlichkeit aus und steht meist im Konjunktiv Präsens oder Konjunktiv Perfekt.
Eine Hauptsatzfunktion des Konjunktivs, die eine Möglichkeit ausdrückt.
Vor allem Konjunktiv Präsens und Konjunktiv Perfekt.
Mit „könnte“, „würde wohl“, „dürfte“ oder „vielleicht“.
Fortasse, forsitan und forte.
Der Potentialis beschreibt eine Möglichkeit, der Irrealis eine nicht verwirklichte Handlung.
Weil er zu den häufigsten Konjunktivfunktionen in lateinischen Texten gehört.